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Alte St.-Laurentius-Kirche
Kirchplatz 1
78713 Schramberg-Sulgen

Beherrschend sei zweifellos, so Kreisarchivar Bernhard Rüth, das große Sulgener Altarfresko, das 1932 von Kunstmaler Prof. Birkle (1900 - 1986) gestaltet wurde und in den 30-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wie ein Paukenschlag in der sakralen Kunst gewirkt habe. Der Passionsgedanke und die Erkenntnis, dass sich in Christi Kreuzigung das ganze Leid der Menschheit, vor allem in den Wirren der aktuellen Zeitgeschichte, spiegele, bilde somit den inhaltlichen Schwerpunkt.
An den beiden großen Kreuzigungen, die während der Sonderausstellung "Albert Birkle - Unter dem Kreuz" an den Seitenaltären aufgestellt sind, kann man die künstlerische Genese des Sulgener Altarfreskos klar ablesen. Links die erste Kreuzigung von 1921, die als Jugendwerk Birkles in Berlin Furore machte, verweist in ihrem detaillierten Realismus, der den geschundenen Corpus ungeschminkt darstellt, auf die Epoche des ausgehenden Expressionismus. Auffallend hierbei ist die leuchtende Transparenz in der Wiedergabe des gekreuzigten Christus, der, im Mittelpunkt neben den beiden Schächern, mit seinem strahlenden Licht die Erlösungstat symbolisch hervorhebt.
Das rechte Bild, von 1929, hat deutliche Bezüge zur damaligen Zeitgeschichte. Es handelt von der Verspottung des Gekreuzigten. Birkle hat sich hier zweimal mit einem Selbstbildnis verewigt: zunächst als Person links unten und dann in den Gesichtszügen des Gekreuzigten selbst, der hier, als interessante Variante, nicht am Kreuzesbalken hängt, sondern an eine Wand geheftet erscheint.
Birkles großes Vorbild war Matthias Grünewald und sein Isenheimer Altar, der in Colmar ausgestellt ist.
Text: Von Hans Werner
Das obige Foto entstand während der Sonderausstellung zum 110. Geburtstag von Prof. Albert Birkle.